Anwalt oder Mediator – Alternative oder Koexistenz

Ich bekam am Mittwochnachmittag einen Anruf: “Frau Miller, Sie sind doch Mediatorin und Anwältin, oder?“ – „Ja, wie kann ich Sie unterstützen“ – „Also es ist so, dass …“ Ich unterbrach den Anrufer, was ich sehr selten tue, doch hier war es sehr wichtig: Schon beim ersten Kontakt mit meinem potentiellen Kunden muss ich wissen, in welcher Position ich beratend tätig werde. Warum? Das  Stichwort ist Neutralität! Anwälte sind Interessensverterter, Mediatoren wiederrum gegenüber jedem Beteiligten neutral. Auf die Frage hin, ob der Anrufer einen Mediator braucht oder eine Anwalt, kam die von mir oft gehörte Antwort: Ich weiß es nicht! Ein vollkommen berechtigte Antwort, denn so essentiell für die weitere Zusammenarbeit.

Und hier kommen wir zum Knackpunkt: Ist Mediation eine Alternative zur anwaltlichen Vertretung bzw. gerichtlichen Auseinandersetzung? Die Antwort ist so simpel: Nein. Mediation verhält sich zur anwaltlichen Beratung und gerichtlichen Klärung des Konflikts wie Messer zu Löffel. Man isst keine Suppe mit einem Messer und schneidet kein Fleisch mit Löffel. Es sind keine Alternativen – es sind Werkzeuge, die zu dem jeweiligen Gericht passen. Genauso verhält es sich mit der Mediation. Die Mediation ist nicht für jeden Konflikt geeignet. Es ist wichtig zu verstehen und als Unternehmensführer zu erkennen, wann ich welchen Experten für meinen Konflikt brauche. Doch welche Kriterien setze ich in der Praxis ein, um zu entscheiden wen ich in einer gegebenen Konfliktsituation anrufe. Hier ein kurzer Überblick angelehnt an Friedrich Glasl:

Ebene I (Win-Win): Der Konflikt befindet sich noch auf der Sachebene. Eine Einigung mittels Moderation und Mediation ist noch relativ leicht möglich.

 

Stufe 1:  Verhärtung

Ein Konflikt beginnt immer mit Spannungen und es gibt verschiedene Meinungen. Auf dieser Stufe geht es noch allein um die Sache.

Stufe 2:  Debatte

Die Konfliktparteien beginnen sich genauer zu überlegen, wie sie das Gegenüber von ihrer Meinung überzeugen können. Es kommt mitunter bereits zum Streit.

Stufe 3:  Taten statt Worte

Der Konflikt verschärft sich. Man hört möglicherweise auf, miteinander zu reden oder bricht Gespräche ab.

Ebene II (Win-Lose): Der Konflikt ist bereits auf die Beziehungsebene gerutscht. Moderationallein reicht nicht mehr aus. Mit Mediation oder anderer Prozessbegleitung kann man noch deeskalieren.

Stufe 4:  Koalitionen

Man beginnt systematisch andere Menschen aus der Umgebung für die eigene Position zu gewinnen und gegen den Konfliktpartner.

Stufe 5:  Gesichtsverlust

Jetzt will man die/den GegnerIn vernichten – und schreckt dabei auch vor Verleumdungen nicht zurück.

Stufe 6: Drohstrategien

Um die eigene Macht zu demonstrieren und die Kontrolle über die Situation zu behalten, droht man dem Gegenüber und stellt Forderungen.

Ebene III (Lose-Lose): Stufe 7 ist mithin die wohl letzte Stufe, auf der Mediation noch helfen kann. Danach braucht es auf jeden Fall eine Entscheidung durch einen Dritten (Schiedsverfahren, Gericht oder aber auch Management).

Stufe 7:  Begrenzte Vernichtung

Das Gegenüber wird entmenschlicht und man will ihm möglichst schaden. Solange man selbst nicht allzu sehr unter den eigenen Aktionen leidet, wird das bereits als Gewinn angesehen.

Stufe 8: Zersplitterung

Jetzt will man die/den GegnerIn zerstören – nur Schaden reicht nicht mehr aus.

Stufe 9:  Gemeinsam in den Abgrund

Um die/den GegnerIn zu vernichten kalkuliert man den eigenen Untergang mit ein – ab jetzt ist alles erlaubt.

Sie sehen: Mediation ist bis zur Stufe 7 von insgesamt 9 gut einsetzbar. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Anwälte in vielen Unternehmen ab Eben III eingeschaltete werden. Zum einen ist es ein Kostenpunkt, zum anderen versucht mach es immer noch „selber zu klären“. Doch wie viel einfacher, effektiver, schneller, nachhaltiger und kostengüntsiger könnte man diese Konflikte schon in den Ebenen 1-6 mit einem Moderator oder Mediator lösen! Die Studie von PwC „Konfliktmanagement in der deutschen Wirtschaft- Einwicklungen eines Jahrzehnts“ belegt jedoch eindeutig. Unternehmen erkennen und analysieren aufgrund integrierter Konflikmanagementsyste (KMS) schnell und zielgenau die Konfliktart. Somit ist eine passgenaue Lösung schnell gefunden – für Konflikte im Wirtschaftsleben nutzten die Befragten verstärkt die Mediation.

Hier geht es zu Studie: http://www.pwc.de/de/risk/assets/studie-konfliktmanagement-160916.pdf

Doch braucht man ein Konflikmanagementsystem für die Entscheidung des „richtigen Werkzeug“ eines gegebenen Konflikts? Sicher nicht, jedoch sind geschulte und sensibilisierte Führungskräfte in Themen wie Konfliktgespräche oder Methoden der außergerichtlichen Streitbeilegung mittlereile unabdingbar.

Und wenn Sie sich nicht sicher sind, ob nun besser eine Mediator oder Anwalt helfen kann – rufen Sie mich einfach an. Wir finden einen Weg!